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Interview

„Die Bürger leisten Pionierarbeit“

Sandro Schott, Projektleiter von „Wissenschaft debattieren!“,  spricht über die Hintergründe der Bürgerkonferenz, die am 25. und 26. September in Berlin stattfindet. Das Thema der Konferenz ist die Energienutzung der Zukunft. Welche Perspektiven sehen die Bürgerinnen und Bürger für Deutschland? Das Interview führte Katja Machill.


Sandro Schott. Foto: Katja Machill/WiD

In der Bürgerkonferenz diskutieren Bürger zwei Tage lang mit Energie-Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft. Was macht diesen Dialog aus?

Die Bürgerkonferenz zeichnet sich durch einen direkten Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft aus. Die Bürger bringen dabei ihre persönlichen Erfahrungen, Meinungen und Erwartungen ein, die Wissenschaftler ihr Faktenwissen und die Kenntnis des aktuellen Forschungsstandes – ein wechselseitiger Lernprozess. Wie wichtig und unverzichtbar dieser Dialog ist, erfahren wir zurzeit gerade in der Debatte um das Energiekonzept der Bundesregierung: Die Öffentlichkeit ist verunsichert und weiß nicht, wem sie glauben schenken soll. Diese Rückmeldung bekommen wir auch von vielen Teilnehmen unserer Veranstaltungen.

Warum ist die Bürgerkonferenz Teil eines Forschungsprojekts?

Dialogformate wie Bürgerkonferenzen, aber auch Schülerforen und Junior Science Cafés sind innerhalb der Wissenschaftskommunikation neu. Die Bürgerinnen und Bürger, die daran teilnehmen, leisten echte Pionierarbeit. Das heißt aber auch, dass man noch nicht weiß, wie effektiv diese Veranstaltungstypen für die Wissenschaftskommunikation sind. Uns interessiert zum Beispiel, wie sich die Teilnehmer eine Meinung zu einem Thema bilden und unter welchen Voraussetzungen sie sich am ehesten am Diskurs über Forschungsfragen beteiligen. Deshalb werden die verschiedenen Veranstaltungstypen im Forschungsprojekt „Wissenschaft debattieren!“ genauer untersucht.

Rund 200 Bürger nehmen an der Konferenz teil, wer sind diese Bürger?

Unser Ziel ist ein möglichst heterogenes Teilnehmerfeld, also ein ausgewogener Schnitt der Gesellschaft nach Alter, Geschlecht und Bildung. Dazu sprechen wir Bürger per Zufallsauswahl über das Telefon an. Sind sie interessiert, können sie sich online registrieren. Aus diesem Pool heraus werden die Teilnehmer zusammengestellt. Die große Mehrheit der Teilnehmer kommt aus dem Raum Berlin-Brandenburg, aber es sind auch einige Teilnehmer aus Hamburg, Hannover und Braunschweig dabei. Die zirka zehn Teilnehmer des sogenannten 21. Tisches, der online mitdiskutiert, haben wir gezielt über soziale Netzwerke im Internet angesprochen.

Fachlich begleitet wird die Konferenz von Energie-Experten aus Universitäten, wissenschaftlichen Beratungsgremien und Unternehmen. Warum diese Mischung und wie wurden die Fachleute zusammengestellt?

Der Meinungsbildungsprozess der Bürgerinnen und Bürger steht im Zentrum einer Bürgerkonferenz. Je kontroverser und facettenreicher der Input durch die Experten, desto reicher die Diskussion, desto profunder die Meinungen. Die Experten wurden von uns so zusammengestellt, dass sie ein möglichst breites Spektrum an Themen, die für die Energienutzung relevant sind, abdecken.

Am Ende der Konferenz verabschieden die Bürger eine Erklärung. Was genau enthalten sie?

Die Bürgerinnen und Bürger entwickeln während der Bürgerkonferenz Visionen und Empfehlungen zur Energienutzung der Zukunft. In einem Mehrheitsvotum stimmen sie darüber ab und fassen sie in einer abschließenden Bürgererklärung zusammen.

Was passiert mit der Bürgererklärung nach der Konferenz?

Wissenschaft im Dialog will die Visionen und Empfehlungen der Bürger in die aktuelle gesellschaftliche Energie-Debatte einbringen. Wir versenden die Bürgererklärung an Organisationen und Einrichtungen aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, die sich mit dem Thema Energie befassen. Wir informieren die Presse und veröffentlichen die Empfehlungen auch im Internet. Dort ist die breite Öffentlichkeit dazu eingeladen, die Empfehlungen zu kommentieren und zu diskutieren.

Herr Schott, würden Sie selbst gerne einmal an einer Bürgerkonferenz teilnehmen?

Ja, sehr gerne. Im Rahmen des Forschungsprojekts haben wir in diesem Jahr der Energie sehr viele Veranstaltungen zum Thema organisiert. Als Projektleiter beschäftigt man sich stellenweise sehr stark mit dem Thema und lernt die fachliche Einschätzung und Meinung vieler Experten kennen. Allerdings hält man sich stets im Hintergrund und darf meistens nur zuhören. Da ich gerne diskutiere, fällt mir das nicht immer leicht.


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