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Die Schülerin Kübra ist beeindruckt vom Eurosaal. Eine halbe Stunde zuvor saß hier noch eine chinesische Delegation. Foto: Katja Machill/WiD

Junior Science Café Berlin

Schüler diskutieren die Staatsverschuldung im Bundesfinanzministerium

In ihrem zweiten Junior Science Café am 21. Januar laden die Neuntklässler der Berliner Winkelried Realschule keinen Experten zu sich ein, sondern besuchen gleich mehrere Experten an ihrem Arbeitsplatz: im Bundesfinanzministerium.

„Immer fünf auf einmal“, begrüßt ein Zollbeamte die Schüler und lotst sie durch die Sicherheitskontrolle. Taschen werden durchleuchtet und alle neun Schüler müssen durch einen Metalldetektor gehen. In der großen Eingangshalle wartet bereits Uwe Pakull vom Besucherdienst, der sich als Haus- und Hofmeister des Finanzministeriums vorstellt.

Er ist sichtlich stolz auf „sein“ Ministerium. „Wir befinden uns hier im größten Haus in Berlins Mitte“, so Pakull. Es habe 111 Toiletten, 2000 Räume und wenn man alle Flure hintereinander durchquere, würde man sieben Kilometer zurücklegen. Die Schüler sind immer noch von der strengen Eingangskontrolle fasziniert. „Darf man hier auch ohne Termin rein?“, fragt Serife. Pakull verneint.

Ihren Termin heute hat Gözde per Telefon vereinbart. Und alles nur, weil ihr Lehrer Stefan Döring im Wirtschaftskurs das Thema Staatsverschuldung durchnahm und fragte, wie Deutschland seinen riesigen Schuldenberg loswerden könnte. Die Schüler formulierten ihre Lösungsvorschläge und schickten sie per Brief an Bundesfinanzminister Schäuble. Geantwortet hat Michael Leisinger, der sie einlud, das Thema im Ministerium weiter zu diskutieren.

Unendlich lange Flure, riesige Säle und ein Paternoster – der Weg zum Raum 4374, wo die Schüler ihre Debatte um die Staatsverschuldung fortführen sollen, ist verschlungen und geschichtsträchtig. In dem einen Saal wurde die DDR gegründet, aus dem anderen der Luftkrieg des 3. Reiches geplant. Und auch die Lampen an der Wand erzählen eine Geschichte. Sie sind den Original-Flakscheinwerfern von 1936 nachempfunden.

„Ich bin neugierig auf eure Klugheit“, eröffnet Michael Leisinger die Diskussion im Besprechungszimmer. Als Unterstützung hat er sich seine Kollegen Herrn Trittscher aus der Haushaltsabteilung und den Juristen Herrn Kahler zur Seite geholt. Die Schüler haben ein Rollenspiel vorbereitet. Levent ist der Finanzminister, Serife und Anthony Soldaten, Rabia Verteidigungsministerin und Kübra eine Bürgerin.

Der Finanzminister plädiert für eine europäische Armee. Davon würden alle profitieren und die Kosten gesenkt. Die Bürgerin will sparen, indem die deutschen Truppen aus Einsätzen im Ausland wie Afghanistan abgezogen werden. Die Soldaten lehnen jede Art der Einsparung ab, schließlich riskieren sie für Deutschland ihr Leben und wollen dementsprechend gut ausgerüstet und medizinisch versorgt sein. Höchstens könne bei den Kasernen gespart werden, da es aufgrund der Abschaffung der Wehrpflicht weniger Soldaten gebe.

Mit wachen Augen verfolgt Leisinger die Argumente der Schüler und hakt immer wieder nach: Wenn die Kasernen abschafft werden, was passiert mit dem Hausmeister der Kaserne, der seinen Job verliert? Oder: Wenn bei der Ausrüstung nicht gespart werden soll, wie könntet ihr dem Finanzminister sonst noch entgegenkommen?

Am Ende der halbstündigen Debatte haben sich die Schüler eine konkrete Meinung gebildet. Von den 30 Milliarden Euro, die jährlich für Verteidigung ausgegeben werden, wollen sie rund 10 Milliarden einsparen und in Schuldenabbau, mehr Bildung und Forschung und das Verkehrswesen investieren.

Leisinger ist beeindruckt. Vom Engagement der Schüler und davon, wie zukunftsträchtig ihre Ideen sind. „Entscheidend ist, dass ihr um Strategien ringt und eure Themen Politikern vortragt – nur so können sich die Dinge ändern!“

Im Rahmen des Forschungsprojekts „Wissenschaft debattieren!“ wird das in England und Frankreich bereits bekannte Format des Junior Science Cafés an deutsche Schulen gebracht. Innerhalb eines Schuljahres organisieren Schüler der Klassenstufen 9 bis 12 eigeninitiativ drei bis vier formlose Treffen mit Wissenschaftlern, um wissenschaftliche Fragen zu diskutieren. Auf diese Weise soll ihre Motivation und ihr Interesse an wissenschaftlichen Themen gestärkt werden. kma

 

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Staatsverschuldung
21. Januar 2011
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