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Bereich Mobilität: Ziele und Empfehlungen


Es besteht Konsens, dass die Mobilität in der heutigen Zeit zu einem Grundbedürfnis des Menschen geworden ist – dies sowohl im privaten wie auch im wirtschaftlichen Bereich zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Technische Erfindungen und Entwicklungen ermöglichten besonders in den letzten hundert Jahren einen exponentiellen Anstieg der Mobilität. Dieses führte zu erheblichen ökologischen und wirtschaftlich-politischen Problemen bis hin zu Verteilungskämpfen zwischen den modernen Industriestaaten und den Ländern, die über die benötigten Primärenergieressourcen verfügen. Insbesondere das hohe Verkehrsaufkommen durch Personen- und Frachtverkehr trägt zu dem enorm hohen Energieverbrauch der hochentwickelten Länder bei.

Das globale Verteilungsproblem verschärft sich zudem zusehends durch die bevölkerungsstarken aufstrebenden Schwellenländer China und Indien mit ihrem berechtigten und nachvollziehbaren Bestreben, technologisch, wirtschaftlich und auch die Mobilität betreffend den Anschluss an die Industrienationen zu finden. Ein weiter so würde die Problematik erheblich steigern, wobei die Länder Europas durch knappe Energieressourcen in ihrer Prosperität stark betroffen sein würden.

Es besteht Konsens, dass Deutschland im Sektor Mobilität durch technisch-naturwissenschaftliche Innovationen, wirtschaftliche Investitionen und durch ein Umdenken im Benutzen von Verkehrs- und Transportmitteln Schrittmacher sein sollte. Hierin liegen auch Chancen für den Industrie- und Wohlstandsstandort Deutschland.

Ziele und Empfehlungen

In Bezug auf Antriebstechniken und Treibstoffe von Kraftfahrzeugen

Biokraftstoffe
An Bund und EU

  • Biokraftstoffe sollen möglichst nur aus Abfallstoffen gewonnen werden.
  • Es ist Aufgabe der Politik dies durchzusetzen. Dabei ist die Energie, die zur Herstellung der Kraftstoffe aus Abfallstoffen eingesetzt werden muss, wertend in die Umweltbilanz einzubeziehen.
  • Landwirtschaftliche Nutzflächen sollen vorrangig der Nahrungs- und Futtermittelerzeugung und nicht der Vorprodukterzeugung für Treibstoffe dienen.
  • Deutschland, besser noch die EU, sollte gesetzgeberisch vorangehen, die Vermarktung und den Import von Biokraftstoffen aus Pflanzungen, die nur zum Zweck der Biokraftstofferzeugung angelegt wurden, zu unterbinden.
  • Für den innerstädtischen Verkehr sollten Biokraftstoffe ebenso wie alle herkömmlichen Benzin- und Dieselkraftstoffe ein Auslaufmodell sein.

 
Wasserstoff- und Elektroantrieb
An Bund, Wirtschaft und Wissenschaft

  • Es besteht Konsens darin, dass Wissenschaft und Industrie durch politische Unterstützung der Rahmenbedingungen noch stärker angeregt werden sollen, Motoren zu entwickeln, die entweder abgasfrei arbeiten oder lediglich Wasserdampf freisetzen.
  • Wo Wasserstoff als Treibstoff in Verbrennungsmotoren oder in Brennstoffzellen von Elektroautos eingesetzt wird, wird ihm dabei Vorrang vor Elektroautos mit Batteriespeicher eingeräumt, solange Lithium als wesentlicher Bestandteil von Batterien eine endliche Ressource darstellt.
  • Im Sinne der Minimierung des Treibhausgasausstoßes von CO2 müssen sowohl der Wasserstoff als auch die elektrische Energie zur Ladung von Batterien zunehmend und letztendlich ganz und gar aus regenerativen Quellen stammen.
  • Der Ausbau des Netzes von Wasserstoff- und/oder Elektro-„Tankstellen“ muss rechtzeitig und flächendeckend erfolgen, um die Akzeptanz neuer Antriebe zu sichern.
  • Der Ausbau des elektrischen Energieversorgungsnetzes muss schon jetzt in Angriff genommen werden, wenn das Elektroauto mit Batteriebetrieb Sieger im Wettbewerb Elektro-Wasserstoff sein sollte.
  • Ein weitgehend auf Elektroantrieb umgestellter Fahrzeugpark würde während der Stillstandzeiten am Netz als positiver Nebeneffekt einen nennenswerten Energiespeicher zur Bewältigung von kurzzeitigen Lastspitzen im elektrischen Verbundnetz darstellen.


Hybridantriebe

  • Hybridantriebe stellen eine Übergangsform zum Wasserstoff- bzw. zum Elektroantrieb dar. Sie werden sich vermutlich bei Weitverkehrs- und Transportfahrzeugen bewähren. Innerstädtisch sollen Transportfahrzeuge schadstofffrei mit Wasserstoff oder Elektroantrieb betrieben werden.

Nahverkehr
An Bund, Länder, Kommunen, Wirtschaft und Verkehrsteilnehmer

Es besteht Konsens, an alle Bürgerinnen und Bürger und an die Verantwortlichen in Politik, Verwaltung und Wirtschaft den Appell zu richten, die zur Verfügung stehenden Verkehrs- und Transportsysteme wirtschaftlich sinnvoll und ökologisch vertretbar einzusetzen und zu nutzen.
Öffentlicher Personennahverkehr

  • Aus dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr soll ein eigenständiges Unternehmen werden, das die Verkehrsbetriebe der Kommunen ersetzt. Private Transportunternehmer sollten konkurrieren dürfen.
  • Im innerstädtischen Bereich soll das Personennahverkehrsnetz erweitert, besser verknüpft und zuverlässiger werden.
  • Anschlüsse müssen verbessert und Taktzeiten besonders in den Abendstunden verringert werden, möglicherweise durch kleinere Fahrzeugeinheiten und/oder alternative Angebote privater mittelständischer Busunternehmen oder Taxi-Unternehmen.
  • Straßenbahnen sollten in viel stärkerem Maß als bisher eine eigene Trasse zur Verfügung haben. Individuelle Informationen zur Verkehrssituation müssen an allen Haltestellen unter Anwendung moderner (individueller) Kommunikationssysteme visuell und/oder akustisch abrufbar sein.
  • Sicherheit und Sauberkeit in Bussen und Bahnen sollte durch ständiges Aufsichts-/Service-Personal gewährleistet werden.
  • Carsharing mit Elektroautos sollte das Transportangebot der Verkehrsbetriebe erweitern.
  • Die Tendenz, den Büroarbeitsplatz in die eigene Wohnung zu verlegen, stellt eine Möglichkeit dar, den Berufsverkehr zum Teil zu entlasten.
  • Der weitere Ausbau des Fahrradwegenetzes wird gewünscht.

Individualverkehr

  • Zur folgenden Empfehlung bestand Dissens: „Die Kraftfahrzeugsteuer sollte minimiert und durch eine höhere Mineralölsteuer ausgeglichen werden.“ Diesem Satz stimmten 14 Teilnehmer zu, er wurde von 4 Teilnehmern abgelehnt.
  • Folgender Zusatz wird im Konsens angenommen: „(... ausgeglichen werden), um Eigner anzuhalten, treibstoffsparende Modelle zu nutzen.“
  • Dabei ist dem Kriterium der Sozialverträglichkeit gerecht zu werden.

Regionalverkehr
An Bund, Länder, Wirtschaft, Wissenschaft

Kraftfahrzeugverkehr

  • Das bewährte Park and Ride-System an Bahnhöfen und Autobahnanschlussstellen soll weiter ausgebaut werden.
  • Zur folgenden Empfehlung bestand Dissens: „In der Rush Hour während des morgendlichen und abendlichen Berufsverkehrs soll auf Autobahnen eine Fahrspur für Fahrzeuge reserviert sein, die mit mindestens zwei (oder mehr) Personen besetzt sind. Nach dem Vorbild Hollands und der USA kann dadurch die Personenbesetzungszahl gesteigert werden. Auf den beiden anderen Spuren können Fahrer, die alleine fahren, die Spuren nutzen.“ Diesem Satz stimmten 15 Teilnehmer zu, er wurde von 3 Teilnehmern abgelehnt.
  • Die Verkehrsleittechnik bedarf dringend der Verbesserung. Technisch gesehen sind die Grenzen erst bei einer vollautomatischen Kfz-Führung erreicht. Da dies nicht von allen Nutzern gewollt ist, könnten Verbesserungen von Verkehrsdatenerfassung, Datenauswertung, Verkehrsinformation und Verkehrsempfehlungen für einen flüssigeren Straßenverkehr sorgen.

Schienenverkehr
An Bund, Nordrhein-Westfalen, Deutsche Bahn

  • Um die Ballungsschiene Köln-Dortmund vor allem im Berufsverkehr besser bedienen zu können, muss der Rhein-Ruhr-Express verwirklicht werden.


Fernverkehr
An Bund, Länder, Deutsche Bahn

LKW

  • Die Folgen der Just in time-Produktionsprozesse und die zentrale Lage Deutschlands in der EU haben den LKW-Verkehr auf ein unzumutbar hohes Niveau anschwellen lassen. Der seit Jahrzehnten propagierte Slogan vom Umstieg des Transports von der Straße auf die Schiene bzw. auf den Wasserweg hat nicht funktioniert. Das ist für uns nicht hinnehmbar. Hierzu besteht Konsens der Teilnehmer! So sind beispielsweise Güterbahnhöfe und Verladestellen stillgelegt worden. Eine Abkehr von der Straße scheint erst nach einem Infarkt des Straßenverkehrs möglich zu werden.

Bahnverkehr

  • Die Deutsche Bahn muss der Wirtschaft attraktive schnelle Transportmöglichkeiten bieten. Die Schienenverbindungen für Güterzüge von Rotterdam und Antwerpen bis ins Ruhrgebiet müssen zeitnah verwirklicht werden.
  • Der Gesetzgeber muss die Bahn in die Pflicht nehmen.
  • Zur folgenden Empfehlung bestand Dissens: „Das Schienennetz soll nicht privatisiert werden.“ Diesem Satz stimmten 18 Teilnehmer zu, er wurde von einem Teilnehmer abgelehnt.

Flugverkehr

In Anbetracht der zur Verfügung stehenden Zeit ist es nicht möglich gewesen, sich mit dem Flugverkehr eingehend und angemessen zu befassen. Die Gruppe sieht aber Handlungsbedarf bei diesem Thema.


 

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