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Das Schülerforum ist für Dr. Ulrich Strobel eine wichtige Ergänzung zum Unterricht: „Der Bedarf an solchen Veranstaltungen ist sehr groß.“ Foto: Katja Machill/WiD

Ein Lehrer im Interview

Zwei Wochen Unterricht in drei Tagen

Der Mathe- und Physiklehrer Dr. Ulrich Strobel (51) ist fasziniert vom wissenschaftlichen Arbeiten, schließlich war er vor seiner Zeit als Lehrer am Königin-Olga-Stift Gymnasium selbst als Doktorand an der Universität Stuttgart tätig. Jetzt ist er mit seinen Schülern zurück in der Wissenschaft, wenn auch nur für drei Tage. In den Räumen des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart nehmen die Zwölftklässler an dem Schülerforum „Energiemix der Zukunft“ teil. Vor der Klasse stehen hier zwei Moderatoren. Ausnahmsweise ist Dr. Strobel Zuschauer. Obwohl er seine Schüler seit einigen Jahren kennt, entdeckt er neue Seiten an ihnen.

Warum wollten Sie mit Ihrer Klasse am Schülerforum teilnehmen?


Strobel: Den Kontakt zu wissenschaftlichen Einrichtungen und Themen finde ich sehr wichtig für meine Schüler. Aber es ist gar nicht so ohne weiteres möglich, mit einer Gruppe in den Forschungsbereich reinzukommen. Außerdem glaube ich, dass man Schüler außerhalb der Schule anders aktivieren kann.

Was genau meinen Sie mit „aktivieren“?

Strobel: Die Schüler haben hier viel mehr Freiheiten, sich persönlich und ihre Ideen einzubringen. Das ist im Schulalltag stark reglementiert.

Ihre Schüler haben sich hier drei Tage lang intensiv mit dem Energiemix der Zukunft auseinandergesetzt. Dabei stand ihre persönliche Meinung im Mittelpunkt. Herausgekommen sind dabei viele Diskussionen, Visionen und Empfehlungen für die Wissenschaft. Die Ergebnisse: Ein Gütesiegel Energie, Autos als kleine Kraftwerke, das schwimmende Solarmodul Aquasol – was sagen Sie dazu?

Strobel: Ich war sehr beeindruckt von den Ergebnissen. Die Schüler sind aus eigenem Interesse am Thema dran. Sie haben das Gefühl, es kommt aus ihnen raus. Sie müssen nichts reproduzieren, was ihnen vom Bildungsplan vorgesetzt wird. Das ist schon top, was hier passiert.

Präsentieren sich Ihre Schüler hier anders?


Strobel: Ja, sehr ruhige Schüler gehen aus sich heraus, eher dominante Schüler lernen, sich auch mal zurück zu nehmen.

Wie wichtig ist das Thema?

Strobel: Das Thema muss lebensnah sein und die Leute elektrisieren, dann kann man viel mit so einer Veranstaltung erreichen. Dann entspricht ein dreitägiges Schülerforum dem Lernerfolg von zwei Wochen Unterricht.

Neben Diskussionen über das Thema Energie wurden durch praktische Trainings unterstützt, zum Beispiel in Präsentationstechniken und Gruppenarbeit. Würden Sie Elemente davon im Schulalltag integrieren?

Strobel: Die Einheit über Körpersprache, Mimik und Gestik lässt sich gut in den Unterricht mit einbeziehen. Projektarbeit als solche würde ich schon gerne punktuell einsetzen, aber das ist leider ein großes organisatorisches Problem. Das Schülerforum eignet sich sehr gut als Ergänzung zum Unterricht. Der Bedarf an solchen Veranstaltungen ist sehr groß. Daher freue ich mich, dass sie im Forschungsprojekt „Wissenschaft debattieren!“ weiterentwickelt werden.

Was nehmen Ihre Schüler vom Schülerforum mit?

Strobel: Ich hoffe sehr, dass das Schülerforum den Schülern bei ihrer Berufswahl hilft. Schüler wissen oft lange nicht, was sie wollen. Sie brauchen die Infos, welche Möglichkeiten es gibt und wie sie sich einbringen können. Es ist schon toll, wenn der Wissenschaftler eine Differentialgleichung verwendet, um sein Forschungsgebiet zu erklären. Dann sehen die Schüler, dass Mathe tatsächlich gebraucht wird.

Das Interview führte Katja Machill am 30.04.2010 in Stuttgart

 

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Schülerforum
Energiemix der Zukunft
28. bis 30. April 2010
Königin-Olga-Stift

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